CROWN.

Untersuchungen zu Materialität, Technologie und Erhaltungszustand der Wiener Reichskrone.

Die legendenhafte Verbindung mit der Person Karls des Großen (reg. 768-814) sicherte der heute in Wien verwahrten Reichskrone nicht nur die Verehrung als Reliquie dieses heiliggesprochenen Herrschers, sondern auch deren Stellenwert als Krönungsinsigne des Heiligen Römischen Reichs (Deutscher Nation). Als solche stand sie bis zur letzten Krönung im Jahr 1792 in Verwendung und schrieb sie sich dem kollektiven Gedächtnis als eines der bedeutendsten Symbole europäischer Geschichte ein.

Die konkrete Nutzung bewahrte sie als einzige unter den verschiedenen Kronen, die die Könige und Kaiser im Reich im Mittelalter besaßen und benützten, vor der Zerstörung.

Zugleich brachte dieser Gebrauch im Lauf der Jahrhunderte zahlreiche Verluste und Ergänzungen, Beschädigungen und Reparaturen mit sich. Zusätzlich setzten die Alterung des Materials und ungünstige Umgebungsbedingungen Veränderungsprozesse in Gang, die den heutigen Zustand und das Erscheinungsbild prägen.

Um diese Prozesse, deren Ursache und Wirkung besser verstehen und geeignete Maßnahmen für die bestmögliche weitere Sicherung der Krone erarbeiten zu können, sind umfassende material- und konservierungswissenschaftliche Untersuchungen erforderlich.

Sie stehen im Zentrum dieses Forschungsprojektes, das zum 1.1.2022 in Angriff genommen wurde und bis 31.12.2024 laufen wird. Erstmals überhaupt werden dabei Materialzusammensetzungen, Fertigungstechniken und -schritte, Eingriffe und Veränderungen an der Krone aus interdisziplinärer Perspektive auf so umfassende Weise untersucht und dokumentiert sowie die Befunde im Vergleich mit zusätzlichen Untersuchungen an einigen ausgewählten Vergleichsbeispielen ausgewertet. Die systematische Sammlung von Text- und Bildquellen soll das Wissen um das „Schicksal“ des Objektes besonders für die Zeit nach 1500 deutlich erweitern und helfen, zumindest für frühneuzeitliche Eingriffe und Veränderungen zusätzliche Anhaltspunkte zu finden.

In den Blick genommen werden ebenso sämtliche Inschriften auf der Krone. Der technologische und epigraphische Befund wird dabei erstmals im direkten Austausch zwischen den Disziplinen erarbeitet und in Hinblick auf die Datierungsfrage diskutiert werden.

Wer macht das Projekt möglich?

Für finanzielle Unterstützung ist an erster Stelle der Ernst von Siemens Kunststiftung sowie der Rudolf August Oetker-Stiftung zu danken, deren Förderzusage die entscheidende Grundlage bot, das Projekt 2022 in Angriff nehmen zu können.

Zusätzliche Budgetmittel stellten das Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport sowie die Österreichische Akademie der Wissenschaften im Rahmen ihres DOC Stipendienprogrammes zur Verfügung.

Diesen Institutionen ist dafür ebenso zu danken wie den zahlreichen Spenderinnen und Spendern, die sich entschlossen haben, das Projekt im Zuge von Crowd-funding-Aktionen zu unterstützen.

Von zentraler Bedeutung ist für das Projekt darüber hinaus die Unterstützung durch Institutionen und Sammlungen, die ihre Bereitschaft signalisiert haben, Objekte in ihrem Verantwortungsbereich für wichtige Vergleichsmessungen und -untersuchungen vor Ort zugänglich zu machen, bereits vorliegende Ergebnisse eigener Forschungen mit dem Projektteam zu teilen und/oder sich mit eigenen Ressourcen, mit Wissen und Know-how in das Projekt einzubringen:

 

  • Berlin, Rathgen-Forschungslabor, Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Dr. Stefan Röhrs, Dr. Cristina Aibéo
  • Essen, Domschatz Essen, Andrea Wegener MA
  • Köln, Erzbistum Köln, Dr. Anna Pawlik
  • Köln, Kath. Kirchengemeinde St. Severin, Dr. Joachim Oepen
  • München, Bayerisches Nationalmuseum, GD Dr. Frank Matthias Kammel, Dipl.-Rest. Joachim Kreutner, Dipl.-Rest. Hans-Jörg Ranz, Dr. Matthias Weniger
  • München, Schatzkammer der Residenz München, Dr. Christian Quaeitzsch, Dipl.-Rest. Jonas Jückstock
  • München Bayerische Staatsbibliothek, Institut für Bestandserhaltung und Restaurierung (IBR), Dr. Irmhild Ceynowa, Dr. Thorsten Allscher
  • Nürnberg, Staatsarchiv Nürnberg, Dr. Daniel Burger
  • Paris, Musée du Louvre, Département des objets d’art, Florian Meunier
  • Paris, Centre de recherche et de restauration des musées de France (C2RMF), Marie Godet, Ina Reiche
  • Ulm, WITec Wissenschaftliche Instrumente und Technologie GmbH, Dr. Miriam Boehmler, Dr. Thomas Olschewski
  • Wien, Institut für Mineralogie und Kristallographie der Universität Wien, Prof. Dr. Lutz Nasdala
  • Wien, Naturhistorisches Museum, GD Dr. Katrin Vohland 

Zudem dankt das Kunsthistorische Museum Wien allen Spenderinnen und Spendern sehr herzlich, die das Forschungsprojekt zur Reichskrone so großzügig unterstützt haben.

Fragestellungen & Forschungsansätze

Die interdisziplinäre Herangehensweise, das Zusammenwirken von Geschichts- und Kunstwissenschaft, Konservierungs- und Naturwissenschaften bringt verschiedenste Methoden und Zugänge mit sich.

Durch den ständigen Austausch mit internationalen Expertinnen und Experten wird das in der Vorbereitung definierte Methodenspektrum auch in weiterer Folge immer wieder überprüft, wenn nötig adaptiert und falls möglich erweitert werden.

Für die Auswahl ist entscheidend, dass die Untersuchungen zerstörungsfrei eingesetzt werden können. Aus diesem Grund musste etwa eine scheinbar so naheliegende Methode wie die Computertomographie (CT) von vornherein ausgeschlossen werden, da sich aufgrund der dabei zum Einsatz gebrachten hohen Strahlungsenergie die Farben der Edelsteine verändern könnten. Informationen und Einblicke zu konkreten Untersuchungen werden im Verlauf des Projektes laufend ergänzt und erweitert.

Materialanalysen

  • Materialzusammensetzungen
  • Korrosionserscheinungen

Untersuchung des Edelsteinbesatzes mit Hilfe der Ramanspektroskopie

Im Rahmen einer zweiwöchigen Raman-Messkampagne im Mai 2022 konnte in einer Kooperation mit dem Institut für Mineralogie und Kristallographie der Universität Wien der Edelsteinbesatz der Reichskrone erstmals umfassend untersucht werden. Zu den insgesamt 172 auf Kronreif, Stirnkreuz und Kronbügel eingesetzten Steinen gab es davor lediglich eine handschriftliche Aufzeichnung zu einer optischen Klassifizierung einiger Edelsteine aus dem Jahr 1977.

Das für die Untersuchungen eigens adaptierte Ramanspektrometer, das sowohl die Aufnahme von Raman- als auch von Photolumineszenzspektren ermöglichte, wurde von Fa. WITec Wissenschaftliche Instrumente und Technologie GmbH, zur Verfügung gestellt. Dank seiner langjährigen Beschäftigung mit der Ramananalyse von Edelsteinen konnte Univ. Prof. Dr. Lutz Nasdala für alle untersuchten Steine noch während der Messungen eine eindeutige Identifizierung vornehmen.

Insgesamt befinden sich heute 71 Saphire, 50 Granate, 20 Smaragde, 13 Amethyste, 4 Chalcedone, 3 Spinelle und 11 verschieden gefärbte Gläser an der Reichskrone. Weiterführende Untersuchungen zur tiefergehenden Charakterisierung des Edelsteinbesatzes, z.B. zur weiteren Klassifizierung verschiedener Arten von Granaten oder zu besonderen Einschlussphasen, die Hinweise auf die Provenienz einzelner Steine geben könnten, sind im weiteren Projektverlauf geplant. Dabei werden weitere zerstörungsfreie Untersuchungsmethoden, wie z.B. die Röntgenfluoreszenzanalyse, zum Einsatz kommen.

Martina Griesser, 4.9.2022

Untersuchung des Niello-Dekors auf dem Stirnkreuz mittels Röntgenfluoreszenzanalyse

Bei der Darstellung des Gekreuzigten auf der Rückseite des Stirnkreuzes wurde Niello in die gravierten Umrisslinien und Buchstaben eingeschmolzen, um diese deutlich vom Goldgrund abzusetzen. Dabei handelt es sich um ein schwarzfarbiges Gemisch aus Schwefel und verschiedenen Metallen. Frühmittelalterliche Quellen überliefern Rezepturen mit den Sulfiden von Silber, Kupfer und Blei als Hauptbestandteilen in unterschiedlichen Zusammensetzungen.

Da das Christusbild auf dem Stirnkreuz seitens der kunsthistorischen Forschung mehrfach in einen Entstehungszusammenhang mit dem niellierten Dekor auf der Rückseite des sogenannten Reichskreuzes (Weltliche Schatzkammer, Inv. WS XIII 21) gebracht wurde, sollte überprüft werden, ob sich dieser Zusammenhang mit Hilfe der energiedispersiven Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA) auch in Hinblick auf die chemische Zusammensetzung der jeweiligen Niellomasse bestätigen lässt. Zum Einsatz kam ein portables, im Zuge eines FWF–Forschungsprojektes („Portable Art Analyzer – PART“, Projekt Nr. L430-N19) am KHM entwickeltes und gebautes Gerät (PART II), das aufgrund seines Messspots von etwa 150µm ein Fokussieren auf die sehr feinen Linien mit dem Niello erlaubt.

Die Analyseergebnisse zeigen, dass sich die Niellomasse des Stirnkreuzes aus Sulfiden von Silber, Kupfer und Blei sowie vermutlich einer geringen Spur Gold zusammensetzt, das aus dem verwendeten Silber stammen könnte. Im Gegensatz dazu besteht das Niello am Reichskreuz nur aus Sulfiden von Silber und Kupfer. Blei und Gold sind hier nur in Spuren nachweisbar und wohl auf Verunreinigungen in den Niello-Grundmaterialien zurückzuführen. Es kamen demnach unterschiedliche Rezepturen zum Einsatz, was aus materialwissenschaftlicher Perspektive bedeutet, dass sich ein direkter Werkstattzusammenhang zwischen den beiden Arbeiten nicht bestätigen lässt.

Im Zuge des Projektes werden die Messdaten dennoch weiter ausgewertet und in den Kontext der bisherigen Forschungen zur Herstellung und Zusammensetzung von Niello im Früh- und Hochmittelalter gestellt. Ebenso bleiben die mit dem Niello-Dekor verbundenen Bearbeitungs- und Werkzeugspuren am Stirnkreuz im Blick technologischer Fragestellungen.


Katharina Uhlir, Teresa Lamers (18. 10. 2022)

Untersuchungen der Emails, der Edelsteine und Perlen sowie des Goldes mittels µ-Röntgenfluoreszenzanalyse (µ-RFA)

Das bereits zur Analyse von Niello eingesetzte portable Röntgenfluoreszenzgerät PART II [Link: Materialanaylsen / Untersuchung des Niello-Dekors] wurde aufgrund seines kleinen Messspots von nur etwa 150 µm im Frühjahr 2023 dazu verwendet, die chemische Zusammensetzung von Edelsteinen, Perlen und Emails der Reichskrone sowie die Goldzusammensetzung zu untersuchen. Besonders für die Emailanalyse ist von Bedeutung, dass der Messkopf dieses Gerätes evakuiert werden kann. Das erlaubt, auch leichte Elemente mit niedriger Ordnungszahl – wie Natrium (Na), Magnesium (Mg) und Aluminium (Al) – zu detektieren, die für die Bestimmung der Emailzusammensetzung essentiell sind. Gleichzeitig ist jedoch der geringe Arbeitsabstand von nur 1 mm aufgrund des stark dreidimensionalen Aufbaus der Reichskrone oft hinderlich, und daher sind nicht immer alle Details, die untersucht werden sollen, mit diesem Gerät zugänglich. Trotz dieser Einschränkung ist es gelungen, eine Vielzahl an Analysen durchzuführen, in deren Interpretation Voruntersuchungen, die bereits 2014 durchgeführt wurden, mit einbezogen werden konnten, da sie eine wertvolle Grundlage für die weiterführenden Untersuchungen bildeten.

Neben für die verschiedenfarbigen Emails repräsentativen Bereichen wurden auch durch Korrosion angegriffene Stellen bzw. solche mit unklarer Beschaffenheit analysiert. Insgesamt konnten folgende Beobachtungen gemacht werden, wobei die vollständigen Auswertungen noch einige Zeit in Anspruch nehmen werden:

  • Die meisten Emailfarben (grün, hellblau, dunkelblau, türkisblau und braunrot) sind vom Soda-Kalk Typ. Das Inkarnat und das gelbe Email zählen grundsätzlich auch zum Typ Soda-Kalk Glas, weisen jedoch im Gegensatz zu den vorgenannten Farben deutliche Zusätze von Bleioxid (PbO) auf. Zum Email vom Kaliglas-Typ zählen das schwarze und das ziegelrote Email. Der K20-Anteil liegt bei diesen Gläsern bei ca. 10 bzw. 16 Gewichtsprozent. Der CaO-Anteil (Stabilisator im Glas) ist sehr hoch und liegt bei 12–15 Gewichtsprozent. Trotzdem erweist sich das schwarze Email als sehr instabil und zeigt die auffälligsten Korrosionserscheinungen. Erste Analysen der Korrosionsprodukte mit dem Rasterelektronenmikroskop (REM) zeigten das Vorliegen von Kalzium-, Natrium-, Kalium- und Bleiverbindungen (Chloride und vermutlich Carbonate oder Salze organischer Säuren). Weiterführende Untersuchungen zur Korrosion und deren Ursache mittels µ-Ramanspektroskopie und REM sind geplant. Für die Emailtechnologie ist hier von Interesse, dass Kaligläser einen höheren Schmelzpunkt haben als Soda-Kalk Gläser.
  • Für die Perlen an Krone und Kreuz und die großen Perlen des Bügels kann mit RFA durch Vergleich zu Referenzmaterialien eine Differenzierung zwischen Süßwasser- und Salzwasserperlen aufgrund charakteristischer detektierter Elemente und deren Verhältnis zueinander gut getroffen werden.
    [Link: Materialanalysen / Untersuchung des Perlenbesatzes]
  • Die Untersuchung der Goldzusammensetzungen wurde leider durch die stark eingeschränkte Zugänglichkeit zu den Bereichen von Interesse limitiert. Trotzdem soll versucht werden, soweit möglich Vergleiche der einzelnen Goldlegierungen herzustellen und technologische Zusammenhänge zwischen verschiedenen Strukturelementen und Legierungszusammensetzungen festzustellen. Die dazu notwendigen umfassenden Auswertungen sind aktuell noch im Gange.
  • Ein auf dem Bügel untersuchtes Edelsteinimitat zeigt einen hohen Barium-Anteil. Gläser dieser Art wurden erstmals Anfang des 19. Jahrhunderts produziert, die RFA-Analyse schränkt daher die Zeitspanne für den Ersatz des originalen Steins durch das Imitat an dieser Stelle stark ein.
  • Auch die für Analysen zugänglichen Edelsteine wurden untersucht, um weitere Hinweise auf deren genaue Klassifizierung und Provenienz zu erhalten bzw. Vermutungen dazu zu untermauern.

Für die umfassende Interpretation zu Perlen, Edelsteinen und Emails sind noch weiterführende Untersuchungen mit verschiedenen spektroskopischen und photographischen Methoden geplant.

Katharina Uhlir, Martina Griesser (24.7.2023)

Katharina Uhlir, Naturwissenschaftliches Labor des KHM, beim Scannen einer Emailtafel mit dem Macro-XRF Scanner CRONO im Mai 2023 © Hubert Doppler / EPO-Film

Weiterführende Materialuntersuchungen mit dem Macro-XRF Scanner CRONO

Das Naturwissenschaftliche Labor des KHM besitzt einen Makro-Röntgenfluoreszenz Scanner, das Modell CRONO der Firma Bruker. Bei der Makro-Röntgenfluoreszenzanalyse (Makro-RFA) – oder international üblicher MAcro-X-Ray-Fluorescence analysis (MA-XRF) – können größere Bereiche einer Oberfläche, im Fall dieses Modells in der Größe von 60 x 45 cm, „Pixel für Pixel“ abgerastert werden. Für jedes dieser „Pixel“ wird ein Röntgenfluoreszenz-Spektrum aufgenommen. Aus der Gesamtheit der Spektren können in Folge bestimmte Elementinformationen herausgelesen werden. So kann zum Beispiel die Verteilung von Kupfer über die abgerasterte Fläche – im Fall der Emailtafeln in blauen, türkisen, grünen und roten Emails vorhanden – bildlich dargestellt werden.

Zusätzlich ist es auch möglich, das Modell CRONO für Einzelmessungen, vergleichbar jenen mit dem an anderer Stelle beschriebenen PART II System [Link: Materialanalysen / Untersuchungen mittels µ-Röntgenfluoreszenzanalyse], an ausgewählten Messpunkten einzusetzen. Der Anregungsstrahl kann mittels eines Kollimators wahlweise auf 0,5 mm, 1 mm oder 2 mm fokussiert werden, die Elementinformation wird somit aus einem deutlich größeren Messpunkt als bei der µ-RFA gewonnen. CRONO bietet bei diesen Messungen den Vorteil eines größeren Arbeitsabstands (1 cm) im Vergleich zum µ-RFA Gerät PART II, und damit einer besseren räumlichen Zugänglichkeit zu Messpunkten an dreidimensionalen Objekten. Gleichzeitig verliert man jedoch durch die Absorption von Signalen der Elemente mit niedriger Ordnungszahl an Luft die Information über diese leichten Elemente (v.a. Natrium, Magnesium, Phosphor und Aluminium), was gerade für die Analyse von Email problematisch ist.

Im Mai und Juni 2023 wurden folgende Untersuchungen durchgeführt, deren genauere Interpretation noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird:

  • Scans der Emailtafeln: Für die Emailplatten sind trotz ihrer gewölbten Form die Verteilungen der charakteristischen farbgebenden Elemente in den verschiedenfarbigen Emails gut darstellbar. V.a. die Verteilung einer noch nicht näher bestimmten dunklen bleihaltigen Masse kann gut dokumentiert werden.
  • Beim Kreuz wurden kleine Partien gescannt, um die einzelnen Zonen der verschiedenen Metalllegierungen bei Lötstellen genauer definieren zu können. Ein Scan im Bereich der Niello-Verzierungen zeigt Inhomogenitäten und unterschiedliche Schichtdicken.
  • Der Bügel wurde beiderseits hochauflösend gescannt, um zu überprüfen, ob dies hilft, die zahlreichen kleinen Perlen hinsichtlich ihrer Zugehörigkeit zu Süßwasser- oder Salzwasservorkommen zu klären. Dafür erwies sich dieses Verfahren jedoch als ungeeignet.
  • In Ergänzung zu den mit dem PART II System bereits vorgenommenen Untersuchungen wurden einige Goldbereiche auch mit dem CRONO Gerät im Punktmodus analysiert. Hier konnte die Zugänglichkeit zu verschiedenen Messpunkten zwar deutlich verbessert werden, einige interessierende Punkte konnten aber auch mit dem größeren Arbeitsabstand nicht erreicht werden.
  • Die metallischen Komponenten des Futterals wurden untersucht, um die Vergleichbarkeit der Einzelteile festzustellen.
  • In Vorbereitung auf die Vergleichsmessungen an Objekten in Deutschland (Köln, Essen, München) wurden Punktmessungen am Email der Reichskrone unter Verwendung von Parametern durchgeführt, die mit den Kooperationspartnern vom Rathgen-Forschungslabor eigens abgestimmt wurden. Damit soll die Vergleichbarkeit der Ergebnisse aus dem Einsatz unterschiedlicher Messgeräte (CRONO MA-XRF Scanner in Wien und ELIO Scanner in Deutschland) optimiert werden.

Katharina Uhlir, Martina Griesser (24. 7. 2023)

Chemisch-analytische Untersuchungen: Möglichkeiten und Grenzen aus konservierungswissenschaftlicher Sicht

Die zweite Untersuchungskampagne (9. Jänner – 23. Juni 2023) widmete sich schwerpunktmäßig der Analyse der chemischen Zusammensetzung der unterschiedlichen Materialien, aus denen die Reichskrone besteht. Die genaue Kenntnis der chemischen Zusammensetzung ist eine wesentliche Grundlage der konservierungswissenschaftlichen Forschung. Sie ermöglicht Rückschlüsse auf spezifische Materialeigenschaften und auf Alterungs- und Korrosionsprozesse. Ebenso können die Analyseergebnisse Hinweise auf die Herkunft liefern (wie bei den Edelsteinen) oder zur Bestimmung der Art (wie bei den Perlen) herangezogen werden.
[Link: Materialanalysen / Untersuchung des Perlenbesatzes]

Den Analysemöglichkeiten sind allerdings durch die zwingende Vorgabe der Zerstörungsfreiheit (keine Probenahme) und der Mobilität (Geräte müssen zur Krone transportiert werden – nicht umgekehrt) enge Grenzen gesetzt. Die dreidimensionale Struktur speziell der Goldoberflächen stellt einen weiteren, stark limitierenden Faktor bei den Untersuchungen dar. Die relativ großen Messköpfe der Analysegeräte müssen sehr nah an die Oberfläche herangeführt werden. Dies ist nur an vereinzelten Stellen der Krone möglich, wodurch sich von vornherein Einschränkungen in Hinblick auf eine vollständige und systematische Untersuchung der Goldlegierungen ergaben. Bei den Emails mit ihren nur leicht gewölbten flachen Oberflächen sind bessere Messvoraussetzungen gegeben. Durch den Einsatz unterschiedlicher, einander ergänzender optischer und materialanalytischer Untersuchungsmethoden wird versucht, ein möglichst breites Spektrum an Informationen zu gewinnen, um das Wissen um die Materialität, den Erhaltungszustand und zu den komplexen Korrosionsvorgängen zu vertiefen.

Die Emails der Reichskrone stellen innerhalb des Projekts ein konservierungswissenschaftliches Schwerpunktthema dar. Email ist kein stabiles System. Es ist im besonderen Maße chemischen oder physikalischen Prozessen unterworfen, die auf mikromolekularer Ebene innerhalb der Emailschichten ablaufen und mit der Zeit als Verfallserscheinungen sichtbar werden. Auch an den Senkschmelzemails der Reichskrone wurden Veränderungen im Erscheinungsbild in Form von weißen, kristallinen Ausblühungen festgestellt.

Ein besonderes Merkmal der Emails der Reichskrone besteht in der starken Inhomogenität einzelner Farben sowie der Durchsetzung der Oberflächen mit einer Vielzahl von halbrunden Löchern, die beim Herstellungsprozess (eingeschlossene Gasbläschen, die beim Schmelzen des Emails im Brennofen an die Oberfläche gewandert sind) entstanden sind. Punktmessungen können in diesem Fall die chemische Zusammensetzung nicht ausreichend charakterisieren. Mit dem Makro-Röntgenfluoreszenz Scanner ist es aber möglich, Spektren von der gesamten Oberfläche aufzunehmen, die Elementverteilung zu kartieren und darzustellen.
[Link: Materialanalysen / Weiterführende Materialuntersuchungen mit dem Macro-XRF Scanner CRONO]

Die große Herausforderung für die Konservierungswissenschaften wird darin bestehen, die aus den Messdaten gewonnenen Ergebnisse zu interpretieren, um zu verstehen, was sie für die Korrosionsprozesse bedeuten, welche konservatorischen Maßnahmen ergriffen und welche Konsequenzen hinsichtlich der Optimierung der Aufbewahrungsbedingungen gezogen werden müssen, um den langfristigen Erhalt der Krone sicherzustellen.

Helene Hanzer (20. 7. 2023)

Untersuchung des Perlenbesatzes

Auf Kronreif, Bügel und Kreuz befinden sich heute insgesamt 233 Perlen. Hinzu kommen etwa 600 kleinere Perlen, die den Schriftzug an den Bügelplatten formen. Bei Perlen – auch als organische Edelsteine klassifiziert – handelt es sich um ein Material, das ähnlich wie Perlmutt im Inneren bestimmter Muschelarten durch Biomineralisationsprozesse gebildet wird. Über einem organischen Zellkern werden dünne Schichten aus Calciumcarbonatkristallen (Aragonit, Calcit oder Vaterit) aufgebaut, wodurch eine charakteristische terrassenartige Struktur entsteht, die für die besonderen Glanzeffekte von Perlen verantwortlich ist. Für die Bestimmung der Perlen konnte Dr. Stefanos Karampelas vom Laboratoire Français de Gemmologie (LFG) Paris als international anerkannter Experte gewonnen werden.

Neben der optischen Beschreibung einer jeden Perle gehört es zu den Zielen des Forschungsprojektes, die Frage zu klären, ob es sich um Salzwasser- oder um Süßwasserperlen handelt. Dies wird ermöglicht durch materialanalytische Untersuchungen mittels Röntgenfluoreszenzanalyse (µ-RFA, Gerät: PART II). Die chemische Zusammensetzung von Salzwasser- und Süßwasserperlen unterscheidet sich in erster Linie durch die Anteile von Strontium und Mangan. Hinzu kommen weitere Charakteristika wie Größe, Form und Glanz.

Erste Ergebnisse zeigen, dass hauptsächlich Salzwasserperlen für den Besatz der Reichskrone verwendet wurden. Sie kamen in Antike und Mittelalter vor allem aus der persischen Golfregion über verschiedene Handelsrouten nach Europa. Einige der Perlen auf der Reichskrone sind von außerordentlicher Größe (etwa 8–12 mm). Damit gehörten sie in der Zeit vor der Entdeckung Amerikas zu den größten damals im Abendland verfügbaren Exemplaren. Entsprechend selten und kostbar müssen sie gewesen sein.

Im Gegensatz zu den Edelsteinen handelt es sich bei Perlen um ein empfindliches Material, das häufiger von Schäden wie Brüchen oder anderen Alterungsphänomen betroffen sein kann. Außerdem wurden zahlreiche Perlen im Zuge von Reparaturmaßnahmen, die auf Schäden an den Fassungen zurückgehen, nachträglich mit Drähten befestigt. Daher liegt die Vermutung nahe, dass nicht alle im heutigen Bestand vorhandenen Perlen auf die Herstellungszeit der Krone zurückzuführen sind. Basierend auf den Erkenntnissen aus den optischen Untersuchungen soll eine Einschätzung erarbeitet werden, welche Perlen dem Originalbestand der Krone zuzurechnen sind.

Teresa Lamers (24.7.2023)

Emailanalysen mittels FORS und µ-Ramanspektroskopie

Als Ergänzung zu den Analysen, die bereits mittels Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA) an den unterschiedlich gefärbten Emails der Wiener Reichskrone durchgeführt wurden, konnten weiterführende Untersuchungen mittels Fiber Optics Reflectance Spectroscopy (FORS) sowie µ-Ramanspektroskopie vorgenommen werden.

FORS ermöglicht durch Aufnahme von Reflexionsspektren bei Bestrahlung mit weißem Licht den direkten Vergleich zwischen den opaken (weiß, inkarnatfarben, gelb, rot, türkis und hellblau) und den (semi-)transparenten (hellgrün, blau, dunkelblau, braun und schwarz) Emailfarben. Die µ-Ramanspektroskopie soll weiterführende Informationen zur chemischen Zusammensetzung, d.h. zur verwendeten Glasmatrix, der für die verschiedenen Farben eingesetzten farbgebenden Zusätze sowie für die verwendeten Trübungsmittel bei den opaken Emails liefern. Die mittels RFA-Analyse erhaltenen Informationen sollten mit Hilfe dieser weiterführenden Untersuchungen überprüft und möglichst noch weiter verfeinert werden. Ziel der Untersuchungen sind neben neuen Erkenntnissen zu den für die Reichskrone verwendeten Materialien die Interpretation der Analysedaten hinsichtlich einer zeitlichen und lokalen Einordnung. Die Möglichkeiten und Grenzen in der Auswertung des zur Reichskrone sowie zu vergleichbaren mittelalterlichen Emailobjekten gewonnenen Datenmaterials werden derzeit im engen Austausch mit internationalen Expert*innen erarbeitet.

FORS, durchgeführt mit dem mobilen Gorgias Reflexionsspektrometer von Cultural Heritage Science Open Source (CHSOS, https://chsopensource.org/reflectance-spectroscopy-system/), ergab für jeweils alle elf Emailfarben im Vergleich der vier Tafeln untereinander übereinstimmende Spektren. Deutliche Unterschiede hingegen zeigt zum Beispiel das Farbspektrum einer grünen Emailergänzung, die an der Maiestasplatte (Platte H) zu sehen ist. Durch den Vergleich mit Referenzspektren bekannter Materialien ist es möglich, anhand der FORS-Messergebnisse farbgebende Bestandteile des Emails zu identifizieren. Beispielsweise kann Neapelgelb als die farbgebende und gleichzeitig trübende Komponente im gelben Email angenommen werden.

Die weiterführende Charakterisierung der chemischen Zusammensetzung und damit eine – wie im Fall des eben genannten Beispiels von Neapelgelb – eindeutige Identifizierung ermöglicht die Ramanspektroskopie. Aufgrund der Feinteiligkeit der figürlichen Darstellungen in Zellenschmelztechnik ist zur Durchführung der Analysen neben einem mobilen Gerät mit flexiblem Positionierungssystem eine hohe laterale Auflösung, das heißt ein µ-Ramanspektrometer notwendig.

Im Rahmen des EU-Forschungsprogramms Iperion HS (https://www.iperionhs.eu/) wurde über einen entsprechenden Forschungsantrag (Projekt ICARE) an MOLAB (Service für mobile Analysegeräte) der Zugang zu einem geeigneten Gerät ermöglicht. Mittels des portablen Spektrometers i-Raman Plus (BWTEC) mit Multilaserquelle (Wellenlängen 532 und 785 nm) führten Brenda Doherty und David Buti, CNR-SCITEC (Istituto di Scienze e Tecnologie Chimiche), Perugia, unterstützt vom CROWN-Projektteam vom 3.-5. Oktober 2023 die Ramanmessungen in Wien durch.

Durch die Kopplung des Systems an eine Mikrosonde mit unterschiedlichen Objektiven konnte die erforderliche kleine Messfleckgröße von 15-50 µm erreicht und die Messpositionierung mittels einer Kamera visualisiert werden. Für die insgesamt elf Emailfarben wurden möglichst homogene Bereiche auf jeder der vier Emailtafeln ausgewählt und mindestens zweifach gemessen. So konnten insgesamt 140 Spektren aufgenommen werden.

Erste Auswertungen der µ-Ramananalysen bestätigten großteils die bereits mittels RFA und FORS erhaltenen Ergebnisse: Als Basisglas fanden hauptsächlich Alkali- bzw. Alkali-Erdalkaligläser Anwendung. Auch die Art der farbgebenden Zusätze konnte weitestgehend bestätigt werden: das Gelb wurde durch Beigabe von Neapelgelb erzielt; im Türkis, Grün bzw. Blau ist Eisenoxid für das Kolorit mitverantwortlich (das für die Grundfärbung des blauen Emails verwendete Kobalt zeigt keine spezifischen Ramanbanden und kann daher mit dieser Methode nicht detektiert werden), während das Braun auf die Verwendung von Eisen- und Manganoxid zurückzuführen ist. Auch der anhand der RFA-Analysen bereits erkennbare, in der Regel übliche Zusatz von Calciumantimonat als Trübungsmittel bei den opaken Emailfarben (ausgenommen Rot und Gelb) konnte mit Hilfe der Ramananalyse eindeutig bestätigt werden.

Sabine Stanek, Martina Griesser, Teresa Lamers (23. 5. 2024)

Analysen an Vergleichsobjekten

Um die technologischen und materialanalytischen Erkenntnisse aus den verschiedenen Untersuchungen an der Wiener Reichskrone mit einigen anderen Goldschmiedeobjekten ottonisch-salischer Zeit vergleichen zu können, wurden im Herbst und Winter 2023/24 drei Messkampagnen in deutschen Sammlungen sowie zusätzliche Analysen in der Kaiserlichen Schatzkammer in Wien durchgeführt. Im Fokus standen dabei Zellenschmelze an Werken, die in der Forschung in der Vergangenheit zum Teil direkt mit der Reichskrone in Verbindung gebracht wurden bzw. hinsichtlich ihrer Datierung und Lokalisierung konkretere und tragfähigere Anhaltspunkte bieten, als dies bei der Krone der Fall ist. Sie wurden jeweils vor Ort mittels 3D-Mikroskopie, Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA), Fibre Optic Reflectance Spectroscopy (FORS) und µ-Ramanspektroskopie untersucht.

Für die Dokumentation mittels optischer Mikroskopie wurde das portable HIROX 3D-Mikroskop des KHM an die jeweiligen Messorte gebracht. Die Untersuchung mit den anderen Analysenverfahren in Essen, München und Köln übernahmen seitens unserer Kooperationspartner Stefan Röhrs und Cristina Aibéo vom Rathgen-Forschungslabor der Staatlichen Museen zu Berlin (RFA-Analysen) sowie Thorsten Allscher vom Institut für Bestandserhaltung und Restaurierung der Bayerischen Staatsbibliothek in München (FORS- und µ-Ramananalysen).

In insgesamt vier Messkampagnen wurden 17 Werke im Domschatz Essen, in der Schatzkammer der Residenz, Bayerischen Nationalmuseum und der Bayerischen Staatsbibliothek in München, der röm.-kath. Pfarrkirche St. Severin in Köln und der Kaiserlichen Schatzkammer in Wien (hier ohne FORS- und µ-Ramananalysen) untersucht. Da an den unterschiedlichen Stationen mit verschiedenen Messgeräten gearbeitet werden musste, wurden die geeigneten Messparameter im Vorfeld gemeinsam mit den genannten Expert*innen als Standards definiert, um die Vergleichbarkeit der Analysendaten zu gewährleisten.

Damit stehen Bilder und Daten zu insgesamt rund 350 einzelnen Zellenschmelzen zur Verfügung, die in die Analyse, die Interpretation und den Vergleich einbezogen werden können. Noch nie gab es eine so umfassende materialwissenschaftliche Datenbasis zu derartigen Emails, die zu den handwerklich schwierigsten und damit prestigeträchtigsten Dekorformen in der mittelalterlichen Goldschmiedekunst überhaupt gehören.

Die umfassende Auswertung dieses Datenmaterials steht im Fokus der verbleibenden Monate bis zum Abschluss des Projektes. Sie erfolgt im engen Austausch mit den bereits genannten Expert*innen sowie weiteren Materialwissenschaftler*innen aus Deutschland, Frankreich und Italien.

Sabine Stanek, Martina Griesser, Franz Kirchweger (23.5.2024)

Kunsthistorische & Historische Forschung

  • Historische Bildquellen
  • Form und Stilelemente im historischen Kontext
  • Inschriften auf der Krone
  • Historische Schriftquellen

Die Untersuchung der Inschriften auf der Reichskrone

Die Inschriften auf den Emailtafeln der Reichskrone haben in jüngerer Zeit verstärkt Aufmerksamkeit seitens der Geschichtswissenschaft gefunden. Sie legte in Zusammenhang mit bestimmten Buchstabenformen auf den Emailplatten Argumente vor, denen zufolge die Krone nicht vor dem späten 11. Jahrhundert entstanden sein kann, der auf dem Bügel genannte CHVONRADVS also mit König Konrad III. (reg. 1138-1152) zu identifizieren und er als Auftraggeber anzusehen sei. Dieser Datierungsansatz unterscheidet sich sehr deutlich von jenem der Kunstwissenschaft.

Im Rahmen dieses Projektes sollen erstmals sämtliche Inschriften auf der Krone gemeinsam mit dem genauen technologischen Befund in den Blick genommen und die Erkenntnisse im direkten interdisziplinären Austausch diskutiert werden.

Die Krone weist insgesamt zehn Inschriften auf.
Diese sind in vier verschiedenen Techniken auf sieben unterschiedlichen Bestandteilen der Krone angebracht: als Zellen- und Grubenschmelze auf den vier Emailtafeln des Kronreifs, in Niello auf der Rückseite des Stirnkreuzes und in einer technisch ungewöhnlichen Form als aufgefädelte kleine Perlen auf beiden Seiten des Bügels. An diesen Inschriften werden alle epigraphisch bedeutsamen Aspekte untersucht, das heißt die jeweiligen Eigenschaften als Graphismus einerseits und als Text andererseits. Hinsichtlich der graphischen Realisierung geht es nicht nur um den Stil der Schrift (Paläographie) und um dessen geschichtliche Einordnung, sondern auch um die semantischen Implikationen, welche die Anordnung der Schrift und Konventionen ihrer Zuordnung zum Bild betreffen.

Bei den Texten geht es um linguistische und orthographische Gegebenheiten sowie um Fragen der Intertextualität (Verhältnis zu anderen Texten). Das Wissen um die benutzten Quellen und deren Rezeptionsgeschichte, für die im Fall der Schriftbänder auf den Emailtafeln in der Forschung immer wieder die Krönungsliturgie genannt wurde, ist hier von großer Bedeutung. Die grundlegende Leitfrage all dieser Untersuchungen ist die nach der zeitlichen und räumlichen Einordnung der Krone und ihrer Bestandteile, verbunden mit dem Bemühen um ein vertieftes Verständnis ihres semantischen Gehalts.

Clemens M. M. Bayer (23. 11. 2022)

Zur Recherche historischer Bildquellen

Im Rahmen der CROWN-Bildquellenrecherche wird der Frage nachgegangen, ob und inwieweit historische Darstellungen der Reichskrone dabei helfen können, Erkenntnisse zur Objektgeschichte zu gewinnen. Im Fokus der älteren Forschung standen bisher vor allem mittelalterliche Bildquellen, die häufig als konkrete Abbildungen der Reichskrone verhandelt wurden und mit deren Hilfe die Form bzw. einzelne Gestaltungselemente der Krone hergeleitet werden sollten.

Tatsächlich aber lässt sich für die Zeit vor 1500 keines dieser Bilder mit vollkommener Sicherheit als Darstellung der Wiener Krone festmachen. Dies führte zu überaus kontrovers geführten Diskussionen in der Forschung zu diesen Beispielen. Auch wenn eine Zusammenstellung dieser Bilder kaum neue Erkenntnisse für die konkreten Fragestellungen des Projektes verspricht, ist ihre systematische Dokumentation dennoch vorgesehen.

Als Zäsur in der Darstellungsgeschichte der in Wien verwahrten Krone gilt seit langem die berühmte Studie, die Albrecht Dürer nach 1510 vermutlich als Vorstufe für sein Idealbildnis Karls des Großen anfertigte. Die Überlegung, dass der nun neue Blick auf die Umwelt auch hinsichtlich der Reichskronenbilder eine größere Objekttreue erwarten lassen könnte, führte zur Entscheidung, hier einen Schwerpunkt zu setzen und möglichst viele Bildquellen der Zeit nach 1500 zu erfassen. Seit Mai 2022 wurden nun bereits rund 16.000 Einträge in nationalen und internationalen Bilddatenbanken gesichtet und auf dieser Grundlage bislang rund 550 Einträge in der internen CROWN-Datenbank angelegt.

Eine detaillierte Auswertung der bisher getätigten Einträge steht noch aus. Eine Erkenntnis, die sich bereits festhalten lässt, ist aber, dass die Reichskrone in der Zeit nach Dürer zwar sehr häufig dargestellt wurde, doch nur selten so detailliert, dass sich anhand der Abbildungen ein konkreter historischer Objektzustand erschließen ließe. Ausnahmen wie etwa die 1790 veröffentlichten Stiche von Johann Adam Delsenbach, die Abbildungen in dem von Kaiser Franz Joseph I. beauftragten Prachtwerk eines Franz Bock oder die Photoabzüge des frühen 20. Jahrhunderts in den Beständen des Kunsthistorischen Museums Wien versprechen aber durchaus neue Ergebnisse zu den Fragestellungen des Projekts.

Evelyn Klammer (24. 11. 2022)

Zur Recherche historischer Textquellen

Einen wesentlichen Baustein im Projekt bildet neben der systematischen Erfassung von Bildquellen  auch jene von Textquellen zur Reichskrone als Grundlage eines erweiterten Wissens um die Objektgeschichte und den heutigen Zustand. Als besonders relevant sind im Rahmen dieser Fragestellungen Textquellen aus der Zeit der Verwahrung der Reichskrone in Nürnberg (1424-1796) zu erachten, die sich zu Reparaturen und Eingriffen erhalten haben. Sie wurden bislang noch nie systematisch zusammengestellt und in Bezug auf erkennbare Eingriffe und Veränderungen an der Krone ausgewertet.
Die Erfassung von Textquellen aus der Zeit vor 1400 lässt demgegenüber in dieser Hinsicht kaum neue Erkenntnisse erwarten, da das Material bereits oft publiziert und diskutiert wurde. Dennoch sollen die in der bisherigen Forschung mit der Reichskrone und ihrer mittelalterlichen Geschichte in Verbindung gebrachten Textquellen im Rahmen des Projektes als Grundlage für die weitere wissenschaftliche Diskussion zusammengestellt und erschlossen werden.

Begonnen wird mit der Ausarbeitung eines Kataloges aller lateinischen Textquellen bis 1350, dessen Einträge folgende Struktur zeigen werden:

  • „Kopf“ mit Grundangaben (Autor, Zeitstellung etc.);
  • Angaben zum Kontext;
  • Textausschnitt (nicht zu eng eingegrenzt);
  • Übersetzung (möglichst präzise);
  • Kurzkommentar zur Erschließung sprachlicher und sachlicher Probleme (nur soweit erforderlich);
  • Verweise auf die wichtigsten Benutzungen der betreffenden Passage in der wissenschaftlichen Literatur.

Clemens M. M. Bayer, Franz Kirchweger (23. 11. 2022)

Recherchen zu frühneuzeitlichen Textquellen im Staatsarchiv Nürnberg

Verschiedene Hinweise im Aufsatz von Karl-Engelhardt Klaar zur „Sicherung und Pflege der Reichskleinodien in Nürnberg“ (in: Nürnberg – Kaiser und Reich, Ausstellung des Staatsarchivs Nürnberg, Nürnberg 1986, S. 71-82) gaben Anlass, im Staatsarchiv Nürnberg Archivalien der frühen Neuzeit zu sichten, in denen Informationen zur Nutzung, Verwahrung und Instandsetzung sowohl der Reichskrone als auch der übrigen Teile der Reichskleinodien zu erwarten waren. Im Februar 2023 konnte das Material Dank der freundlichen Unterstützung durch Archivoberrat Dr. Daniel Burger vor Ort durchgesehen und erfasst werden.

In weiterer Folge begann die Historikerin Pia Metschitzer (KHM-Archiv), für das Projekt Transkriptionen zu erarbeiten. Die inzwischen aufbereiteten Teile zeigen, dass sich darunter überaus interessante Aufzeichnungen finden, die vorhandene bzw. fehlende Teile des Stein- und Perlenbesatzes sowie Reparaturen dokumentieren. Zu den Jahren 1521, 1612, 1619 und 1630 liegen jeweils Notizen zur Überprüfung des Besatzes der einzelnen Bestandteile der Krone vor. 1612 erfolgte diese Revision offenbar im Anschluss an die Krönung von Kaiser Matthias I. und seiner Gemahlin Anna. In diesem Kontext erstellte der seit 1588 als Goldschmiedemeister in Nürnberg nachgewiesene Hans Beutmüller (gest. 1622) zugleich ein Gutachten zum materiellen Schätzwert der Krone. Diesem Gutachten wurden zwei – vielleicht ebenfalls von Beutmüller angefertigte – einfache Zeichnungen zum Steinbesatz der einzelnen Bestandteile der Krone beigelegt, die den Bestand in der jeweiligen Positionierung zu diesem Zeitpunkt dokumentieren.

Von großer Bedeutung sind ebenso Zahlungsbelege zu einzelnen Reparaturen an der Reichskrone im 17. und 18. Jahrhundert, die in der Regel zwar meist nur summarische Angaben enthalten und sich daher kaum mit konkreten Eingriffen in Verbindung bringen lassen, solche Maßnahmen aber jedenfalls eindeutig belegen.

Franz Kirchweger (28.9.2023)

Antiker Intaglio mit Hafenszene an der Stirnplatte, Rotationsvideoaufnahme mit Hilfe des 3D-Digital-Mikroskops
Antiker Intaglio mit halbfiguriger Mänade an der Nackenplatte, Rotationsvideoaufnahme mit Hilfe des 3D-Digital-Mikroskops

Zwei neu entdeckte antike Intaglien

Im Zuge der genauen Untersuchung der Reichskrone mit Hilfe der 3D-Digital-Mikroskopie [Link: Technologische Forschung / Untersuchung mittels 3D-Digital-Mikroskopie] gelang es, zwei antike Intaglien als Teil des Steinbesatzes im Bild zu dokumentieren, von deren Existenz die Forschung bislang nichts wusste. Die Bildseiten der beiden Steine liegen jeweils nach innen gekehrt in den Fassungen, weshalb sie unter normalen Bedingungen von außen nicht sichtbar sind.

Der in der unteren Reihe der Stirnplatte (A) links positionierte Amethyst zeigt eine Hafenszene mit Schiffen, der in der unteren Reihe der Nackenplatte (E) eingesetzte Stein eine halbfigurige Mänade mit Theatermaske. Die Bearbeitung erfolgt durch Prof. Erika Zwierlein-Diehl von der Universität Bonn, die als eine der international führenden Expertinnen seit Jahrzehnten zur antiken Glyptik und deren Nachleben forscht und bereits mehrfach zu antiken Gemmen und Kameen des Kunsthistorischen Museums publizierte.

Ihrem vorläufigen Kenntnisstand zufolge handelt es sich bei dem Intaglio mit der Mänade um das früheste und schönste Beispiel eines in nur wenigen Beispielen bekannten Typus. Geschaffen wurde er von einem griechischen Meister im Übergang vom späthellenistischen Stil zum augusteischen Klassizismus in der Mitte oder im 3. Viertel des 1. Jahrhunderts v. Chr. Die Gemme mit der Hafenszene im sogenannten Miniaturstil entstand Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. – 1. Jahrhundert n. Chr. Unter den zwölf bekannten Hafenbildern auf Gemmen gehört diese Darstellung zu den detailreichsten ihrer Art.

Franz Kirchweger (28.9.2023)

Technologische Forschung

  • Herstellungstechnik
  • Restauriergeschichte
  • Erhaltungszustand

Untersuchungen mittels 3D-Digital-Mikroskopie

Spinell an der Stirnplatte mit Durchbohrung von beiden Seiten, Rotationsvideoaufnahme durch das 3D-Mikroskop, 20fache Vergrößerung
Spinell an der Stirnplatte mit Einschlüssen, Rotationsvideoaufnahme durch das 3D-Mikroskop, 20fache Vergrößerung

Von zentraler Bedeutung für die Beurteilung des Erhaltungszustandes sowie die Erforschung der Herstellungstechnik ist die systematische optische Befundung und Dokumentation der Krone selbst sowie relevanter Vergleichsbeispiele mit Hilfe der 3D-Digital-Mikroskopie. Zum Einsatz kommt das Gerät HIROX HRX-01, mit dem sich die Oberflächenmorphologie und Abmessungen von Perlen, Edelsteinen und Zierelementen in einem weiten Spektrum der Vergrößerung (10x -2500x) erfassen sowie 3D-und Panorama-Ansichten wichtiger Bereiche hochauflösend und mit hoher Tiefenschärfe darstellen lassen.
Bei einer ersten Untersuchungskampagne (März bis Juli 2022) stand vor allem die technologische Untersuchung der Goldschmiedeteile und des Edelsteinbesatzes im Zentrum.

172 Edelsteine wurden als Vorbereitung der Raman-Messungen mikroskopisch untersucht, in Auflicht und polarisiertem Licht dokumentiert. Im nächsten Schritt wurden charakteristische Einschlüsse detektiert und in verschiedenen Lichteinstellungen mit dem 3D-Mikroskop aufgenommen. Ebenso wurden insgesamt 824 formale und funktionale Komponenten der Goldschmiedearbeit (Edelstein-, Perlenfassungen, Zierelemente sowie Scharniere, Tüllen, Röhrchen) einzeln untersucht und aus verschiedenen Blickwinkeln aufgenommen.

Damit konnten Konstruktion und Aufbau, herstellungstechnische Merkmale und goldschmiedetechnische Charakteristika erfasst, formale bzw. funktionale Unterschiede identifiziert, spätere Eingriffe wie Reparaturen, Umarbeitung oder Ergänzungen dokumentiert und der Erhaltungszustand überprüft werden. Die Spuren der Eingriffe (Reparaturdrähte und -lötungen, Hinzufügung stabilisierender Materialien, Ergänzungen, Lochbohrungen, Nieten) wurden typisiert und mit identifizierten Schadens- oder Umarbeitungsereignissen verknüpft.

Besondere Herausforderungen stellten sich bezüglich des Vorhabens, erstmals verzerrungsfreie Aufnahmen von den Rückseiten des Kronreifs anzufertigen.

Dafür musste das Stativ des 3D-Mikroskops um einen sogenannten FlexArm (zur variablen Positionierung der Objektive aus vielen verschiedenen Raumrichtungen) erweitert und ein Aufnahmetisch mit achteckiger Öffnung konstruiert werden, um die Linse von unten in das Innere des Oktogons einführen zu können.
Zum Abschluss dieser ersten Untersuchungskampagne wurden hochauflösende Multifokus-Scans in 30facher Vergrößerung von allen Platten des Kronreifs (Vorderseite, Rückseite, Oberkante, Unterkante), des Bügels (beide Seiten, Oberkante, Unterkante), des Stirnkreuzes (Vorderseite, Rückseite) sowie der Emailtafeln (hier auch in 90facher Vergrößerung, in Auflicht und Streiflicht) angefertigt.

Helene Hanzer, Teresa Lamers, Herbert Reitschuler, Sabine Stanek (28. 11. 2022)

Technische Zeichnungen

Das Hauptaugenmerk bei den Untersuchungen zur Herstellungstechnik liegt auf den angewandten Techniken, den konstruktiven Details und den formalen Charakteristika der einzelnen Bauteile der Krone.

Die anhand der optischen Untersuchungen und der photographischen Dokumentation gewonnenen Beobachtungen und Erkenntnisse werden laufend schriftlich ausgearbeitet und in der CROWN-Datenbank erfasst. Zusätzlich werden von Herbert Reitschuler technische Zeichnungen verschiedenster Art angefertigt. Dazu gehören unter anderem Explosionszeichnungen zum Aufbau der einzelnen Typen an Stein- und Perlenfassungen, die es ermöglichen, den komplexen Aufbau und die Funktion der Bauteile darzustellen. Als Beispiel wird hier eine Zeichnung zum Typ „Hochfassung für Steine mit dreifingrigen Krallen“ gezeigt und einer Photographie gegenübergestellt. Alle Fassungen dieses Typs für die großen Steine am Kronreif folgen demselben Konstruktionsprinzip, das der jeweiligen Größe und Form des Steines individuell angepasst wurde.

Helene Hanzer (4. 10. 2023)

Untersuchung der Kronenhaube

Im Zuge von CROWN wird erstmals auch die Kronenhaube einer technologischen Untersuchung und kunsthistorischen Bearbeitung unterzogen.

Die erhaltene Haube entstand deutlich später als die Krone selbst, spielte jedoch eine große Rolle bei den Krönungen. Im Zuge der Anproben und Anpassungen, die in zahlreichen Berichten des 17. und 18. Jahrhunderts seitens Nürnberger Gesandter erwähnt werden, wurde sie nicht nur mit Hilfe von Polstern im Inneren angepasst, von denen einige flexibel sind und entnommen werden können. Offenbar nähte man sie darüber hinaus bei Bedarf zusätzlich an der Krone fest, was sich aus erhaltenen Fadenresten und nähtechnischen Spuren erschließen lässt.

Der Aufbau der mehrschichtigen Haube, die aus zwei sich farblich voneinander unterscheidenden Seidensamten zusammengenäht wurde, steht im Zuge des Projektes weiter im Fokus der Untersuchung, um zusätzliche Aufschlüsse zur Genese der Haube und zu den Adaptierungen für die Krönungen zu gewinnen.

Zusätzlich sind technologische Analysen der Farbstoffe, der konkreten Bindungsarten der Gewebe wie auch des Zuschnitts in Ausarbeitung. In der Zusammenschau mit den Informationen, die sich in den historischen Textquellen finden, sowie mit kunsthistorischen Beobachtungen lassen diese Analysen viele weitere Erkenntnisse zur Entstehungs- und Verwendungsgeschichte der Haube in Verbindung mit der Reichskrone erwarten.

Katja Schmitz-von Ledebur, Sabine Svec (7. Juni 2024)

Wer ist beteiligt?

Das KHM-interne Projektteam vereint kunst-, konservierungs- und naturwissenschaftliches Wissen und Know-how.

Gleichwohl gilt es in der Vorbereitung und Umsetzung der Untersuchungen sowie bei der Auswertung der Ergebnisse in allen Fachbereichen das Gespräch mit internationalen Expertinnen und Experten zu suchen, Erfahrungen auszutauschen, Methoden und Zielsetzungen zu diskutieren.

Beim Thema „Inschriften“ ist die Bearbeitung durch die Fachdisziplin der Epigraphik erforderlich, für die Clemens M . M . Bayer (Bonn/Lüttich) gewonnen werden konnte.

Viele Fachkolleginnen und -kollegen haben sich bereit erklärt, das Projekt in Hinblick auf einen inhaltlichen Austausch und unter Einsatz eigener Ressourcen zu unterstützen. Ihnen sei an dieser Stelle für Ihre Hilfestellungen ausdrücklich gedankt.

Konservierungswissenschaften

  • Helene Hanzer
  • Teresa Lamers
  • Herbert Reitschuler

Naturwissenschaften

  • Martina Griesser
  • Sabine Stanek
  • Katharina Uhlir

Kunst- & Geschichtswissenschaft

  • Franz Kirchweger
  • Evelyn Klammer
  • Pia Metschitzer

Organisatorische Unterstützung: Dominik Cobanoglu, Doris Prlic, Julia Spitaler, Stella Wisgrill

Externe Expert:innen

  • Maurizio ACETO,
    Dept . Scienze e Innovazione Tecnologica , Università degli Studi del Piemonte Orientale "Amedeo Avogadro", Alessandria
  • Cristina AIBÉO,
    Rathgen-Forschungslabor, Staatliche Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz
  • Thorsten ALLSCHER,
    Institut für Bestandserhaltung und Restaurierung, Bayerische Staatsbibliothek, München
  • Clemens M. M. BAYER,
    Bonn/Lüttich
  • Klaus Gereon BEUCKERS,
    Kunsthistorisches Institut der Christian-Albrechts-Universität, Kiel
  • Harals DRÖS,
    Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Heidelberg
  • Birgitta FALK,
    Domschatzkammer, Aachen
  • Andrea FISCHER,
    Staatliche Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart
  • Monica GALEOTTI,
    Opificio delle Pietre Dure e Laboratori di Restauro
  • H. Albert GILG,
    Lehrstuhl für Ingenieurgeologie, Technische Universität München
  • Matthias HEINZEL,
    Leibniz Zentrum für Archäologie (LEIZA) (bis 31.12.2022: Römisch-Germanisches Zentralmuseum RGZM)
  • Stefanos KARAMPELAS, 
    Laboratoire Français de Gemmologie, Paris
  • Ludger KÖRNTGEN,
    Historisches Seminar, Arbeitsbereich Mittelalterliche Geschichte, Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz
  • Lothar LAMBACHER,
    Kunstgewerbemuseum, Staatliche Museen zu Berlin - Stiftung Preußischer Kulturbesitz
  • Werner MALECZEK,
    Institut für österreichische Geschichtsforschung, Universität Wien
  • Lutz NASDALA,
    Institut für Mineralogie und Kristallographie der Universität Wien
  • Michael PETER,
    Abegg-Stiftung, Riggisberg
  • Martina PIPPAL,
    Kunsthistorisches Institut, Universität Wien
  • Ina REICHE,
    Institut de recherche de Chimie Paris (IRCP) und Centre de recherche et de restauration des musées de France (C2RMF), Paris
  • Stefan RÖHRS,
    Rathgen-Forschungslabor, Staatliche Museen zu Berlin, - Stiftung Preußischer Kulturbesitz
  • Romedio SCHMITZ-ESSER,
    Historisches Seminar, Universität Heidelberg
  • Bernd SCHNEIDMÜLLER,
    Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Heidelberg
  • Sebastian SCHOLZ,
    Historisches Seminar, Universität Zürich
  • Hiltrud WESTERMANN-ANGERHAUSEN,
    Köln
  • Viola WINKLER, Naturhistorisches Museum Wien
  • Andreas ZAJIC,
    Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien
  • Erika ZWIERLEIN-DIEHL,
    Klassische Archäologie, Universität Bonn

Was beschäftigt uns sonst noch?

Um einer möglichst breiten Öffentlichkeit Informationen zu Fragestellungen, Methoden und ersten Erkenntnissen schon im Verlauf des Projektes bieten zu können, wurde diese Website eingerichtet. Sie wird bis Ende 2024 in unregelmäßigen Abständen ergänzt und erweitert.

In diesem Abschnitt soll die Möglichkeit genutzt werden, auch über Tätigkeiten zu informieren, die das CROWN-Team inhaltlich und organisatorisch zusätzlich zu den verschiedenen Untersuchungskampagnen beschäftigen.

Dazu zählen die Vortrags- und Publikationstätigkeit und die Aufbereitung des umfangreichen Datenmaterials, damit dieses nach Abschluss des Projektes Interessierten online verfügbar gemacht werden kann, beispielsweise ebenso wie die Filmdokumentation, die das CROWN-Team in verschiedenen Phasen der Projektarbeit begleitet.

Am 30. Jänner 2023 veranstaltete das Kunsthistorische Museum Wien eine Pressekonferenz zum Projekt, die großes Echo in der Medienlandschaft fand. Presseunterlagen sind für Interessierte hier verfügbar.

Vorträge & Workshops

  • Christopher Pollin, Martina Scholger, Elisabeth Steiner u.a., Poster-Präsentation „Sharing the CROWN – Von Sammlungsdaten zu Linked Open Research Data“, Jahrestagung des Verbands „Digital Humanities im deutschsprachigen Raum“ Trier und Luxemburg (13.–17.3.2023)
  • Franz Kirchweger, Vortrag „CROWN. Ein interdisziplinäres Forschungsprojekt zu Materialität, Technologie und Erhaltungszustand der Wiener Reichskrone“, Tagung „Nicolaus Virdunensis Fabricavit. Das Goldschmiedewerk des Nikolaus von Verdun im Stift Klosterneuburg – Materialtechnologie und kunsthistorische Perspektiven“, Klosterneuburg, 11.–13. Mai 2023
  • Teresa Lamers, Chutimun Chanmuang N., Vortrag “Where conservators meet mineralogists: The CROWN project – an interdisciplinary study of the Imperial Crown”, Vortragsreihe am Institut für Mineralogie und Kristallographie der Universität Wien, 23. Juni 2023
  • Chutimun Chanmuang N., Vortrag „Gem spinel in the Imperial Crown of the Holy Roman Empire: Evidence for very early gemstone heating?“, MinWien 2023, 18. September 2023.
  • Martina Griesser, Vortrag „The splendour of the Imperial Crown of the Holy Roman Empire – Illuminating the gemstones by photoluminescence and Raman spectroscopy“, 19th Confocal Raman Imaging Symposium (25.–27.9.2023), Ulm, 25. September 2023
  • Hanna Schneck, Vortrag “Das Crown-Projekt am Kunsthistorischen Museum Wien“, Goobi-Tage (26.–27.9.2023), Göttingen, 27. September 2023
  • Roundtable “Die Wiener Reichskrone – Historische und Kunsthistorische Fragestellungen“, Wien, 16.–17. Juni 2023

    Teilnehmerinnen und Teilnehmer:
    Clemens M.M. Beyer (Bonn/Lüttich), Klaus Gereon Beuckers (Universität Kiel), Harald Drös (Akademie der Wissenschaften, Heidelberg), Birgitta Falk (Domschatzkammer Aachen), Martina Griesser (KHM, Wien), Helene Hanzer (KHM, Wien), Franz Kirchweger (KHM, Wien), Ludger Körntgen (Universität Mainz), Teresa Lamers (KHM, Wien), Werner Maleczek (Universität Wien), Michael Peter (Abegg-Stiftung, Riggisberg), Martina Pippal (Universität Wien), Herbert Reitschuler (KHM, Wien), Romedio Schmitz-Esser (Universität Heidelberg), Sebastian Scholz (Universität Zürich), Hiltrud Westermann-Angerhausen (Köln), Andreas Zajic (Akademie der Wissenschaften, Wien).

    Organisatorische und technische Unterstützung:
    Dominik Cobanoglu, Stefan Braith und Jana Schuller-Frank.

    CROWN lud die genannten Expertinnen und Experten zur Geschichte und Kunst des frühen und hohen Mittelalters ein, um über Zielsetzungen und Status quo des Projektes zu diskutieren und sich im direkten Gespräch zu den unterschiedlichen Datierungsansätzen und den damit verbundenen Argumenten auszutauschen. Wie zu erwarten, gab es zur Frage der Datierung keine einfachen und schnellen Lösungen, aber das große Interesse und die konkrete Bereitschaft, über diese und andere wichtige Fragen (ursprüngliche Funktion, Bezug der einzelnen Bestandteile zueinander, Zeitstellung wichtiger Vergleichsobjekte) weiter zu diskutieren.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Roundtable-Gespräch am 16.–17. Juni 2023 in Wien

 

  • Workshop “Interdisziplinäres Forschungsprojekt CROWN“, Wien, 21.–22. September 2023

    Teilnehmerinnen und Teilnehmer:
    Maurizio Aceto (Università degli Studi del Piemonte Orientale, Alessandria), Cristina Aibeo (Rathgen-Forschungslabor, Staatliche Museen zu Berlin – SPK), Thorsten Allscher (Institut für Bestandserhaltung und Restaurierung, Bayerische Staatsbibliothek, München), Clemens M.M. Bayer (Bonn/Lüttich), Andrea Fischer (Staatliche Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart), Martina Griesser (KHM, Wien), Helene Hanzer (KHM, Wien), Matthias Heinzel (Leibniz Zentrum für Archäologie – LEIZA, Mainz), Franz Kirchweger (KHM, Wien), Ludger Körntgen (Universität Mainz), Lothar Lambacher (Kunstgewerbemuseum, Staatliche Museen zu Berlin – SPK), Teresa Lamers (KHM, Wien), Ina Reiche (Institut de recherche de Chimie Paris (IRCP) und Centre de recherche et de restauration des musées de France, Paris), Herbert Reitschuler (KHM, Wien), Stefan Röhrs (Rathgen-Forschungslabor, Staatliche Museen zu Berlin – SPK), Sabine Stanek (KHM, Wien), Katharina Uhlir (KHM, Wien).

    Organisatorische und technische Unterstützung:
    Dominik Cobanoglu, Julia Spitaler.

    Als Folgeveranstaltung zu einem am 4.11.2022 als Video-Konferenz abgehaltenen Austausch mit diesen Expertinnen und Experten aus den Bereichen der Natur-, Konservierungs- und Geisteswissenschaften fand vom 21.–22.9.2023 ein Treffen in Wien statt. Dabei wurden auf der Grundlage des aktuellen Standes der Untersuchungen erste Erkenntnisse, Fragen und weitere Perspektiven diskutiert, sowie Einschätzungen und Hinweise gegeben und geteilt. Ein besonderer Fokus lag dabei auf den Emailanalysen.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Roundtable-Gespräch am 16.–17. Juni 2023 in Wien

  • Teresa Lamers, „Anwendung verschiedener Analysemethoden zur Identifizierung der für die Reichskrone verwendeten Materialien“. Vortrag im Rahmen der Ausstellung „Conservator at Work“, Universität für angewandte Kunst, Wien, 9. November 2023
  • Franz Kirchweger, „CROWN. Untersuchungen zu Technik, Materialität und Erhaltungszustand der Wiener Reichskrone. Eine Zwischenbilanz“. Vortrag am Institut für Geschichte der Universität Wien in Kooperation mit dem Institut für die Erforschung der Frühen Neuzeit, Wien, 13. Dezember 2023
  • Franz Kirchweger, „The Imperial Crown in Vienna and its Enamels“. Vortrag im Rahmen der Sektion „Light from the East? Byzantine Enamels in Cross-Cultural Context (Ninth through Eleventh Centuries)" am 59th International Congress of Medieval Studies, Kalamazoo (MI), 10. Mai 2024
  • Franz Kirchweger, Teresa Lamers, „CROWN. Ein interdisziplinäres Forschungsprojekt zur Wiener Reichskrone“. Vorlesung & Kolloquium im Rahmen der interdisziplinären Ringvorlesung „Material Culture 2.0. Neue Forschungen zur materiellen Kultur des Mittelalters und der frühen Neuzeit im Dialog zwischen Kunstgeschichte und Materialwissenschaften", Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, 7. Juni 2024

Publikationen

  • Lutz Nasdala, Teresa Lamers, H. Albert Gilg, Chutimun Chanmuang N., Martina Griesser, Franz Kirchweger, Annalena Erlacher, Miriam Böhmler and Gerald Giester: The Imperial Crown of the Holy Roman Empire, Part I: Photoluminescence and Raman Spectroscopic Study of the Gemstones, in: The Journal of Gemmology, vol. 38, n° 5, 2023, S. 448-473.

    Siehe das PDF hier.
  • Lutz Nasdala, Teresa Lamers, H. Albert Gilg, Chutmin Chanmuang N., Martina Griesser, Franz Kirchweger, Annalena Erlacher, Miriam Böhmler, Gerald Giester: Gem Spinel in the Imperial Crown of the Holy Roman Empire: Evidence for Very Early Gemstone Heating? MinWien2023 conference, Wien, Austria. Mitteilungen der Österreichischen Mineralogischen Gesellschaft, 169, 2023, pp. 206–207

Digitale Projektdaten

Hinsichtlich der Verwaltung und Aufbereitung der digitalen Daten zu den rund 1.750 Einzelkomponenten der Krone sieht sich CROWN den internationalen FAIR-Prinzipien („findable, accessible, interoperable, re-usable“) verpflichtet. Ausgangspunkt für die Erfassung der Daten in den verschiedensten Formaten (Text-, Bild- und Messdateien) ist die seit vielen Jahren am KHM-Museumsverband genutzte Objektdatenbank „The Museum System“ (TMS). Die FAIRification dieser Daten als Linked Open Data Ressource erfordert jedoch verschiedene Arbeitsschritte (Modellierung, Normalisierung, Transformation und Mapping, Semantic Enrichment), die im Fokus eines eigenen Forschungsprojektes „Sharing the Crown. Von Sammlungsdaten zu Linked Open Research Data“ stehen. Dieses Forschungsprojekt wird dankenswerterweise von CLARIAH-AT gefördert:
https://digital-humanities.at/en/dha/s-project/sharing-crown-establishing-workflow-collection-data-linked-research-data

Die Umsetzung in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Informationsmodellierung an der Universität Graz (Christopher Pollin, Georg Maximilian Reiter, Martina Scholger, Elisabeth Steiner, Gunter Vasold, Christine Burgstaller) wird die Grundlagen für die Veröffentlichung und Langzeitarchivierung einer erheblich größeren Zahl an Forschungsdaten schaffen, als sie in der Regel im Rahmen einer Buchpublikation berücksichtigt werden können. Die Publikation wird im zertifizierten Forschungsdatenrepositorium 'Geisteswissenschaftliches Asset Management System - GAMS' erfolgen.

Auf der Jahrestagung des Verbands „Digital Humanities im deutschsprachigen Raum“ in Trier und Luxemburg (13.–17.3.2023) konnte das Projekt im Rahmen einer Poster-Präsentation zur Diskussion gestellt werden.

Filmdokumentation

Im Auftrag der Fernsehstationen ORF und ARTE produziert die EPO-Film unter der Regie von Klaus T. Steindl in Kooperation mit dem Kunsthistorischen Museum eine Filmdokumentation, die das CROWN-Team 2023/2024 in verschiedenen Phasen und Konstellationen begleitet. Die mit den Untersuchungen verbundenen Überlegungen, Zielsetzungen, Abläufe und Erkenntnisse stehen dabei im Fokus, doch soll auch vom „Schicksal“ der Reichskrone im Laufe der Jahrhunderte und von ihrer Bedeutung im Kontext der Geschichte Europas erzählt werden. Die Produktion wird durch den Fernsehfonds Austria und den Filmfonds Wien gefördert. Den Vertrieb übernimmt ORF Enterprise.

Was wissen wir?

Vieles an dieser Krone ist außergewöhnlich: die achteckige Form, der Dekor mit seiner vielschichtigen inhaltlichen Aussage und ihre Geschichte. Trotz einer langen Forschungsgeschichte werden so zentrale Fragen wie jene nach dem Ort und dem Zeitpunkt ihrer Entstehung in der Wissenschaft nach wie vor höchst kontrovers diskutiert.

Geschichts- und Kunstwissenschaft, Literatur- und Religionsgeschichte haben sich mit der Krone beschäftigt und Überlegungen zu ihrer Formgebung, ihrem Dekor, ihrer Symbolik und/oder Verwendung und Geschichte veröffentlicht. Nur wenig davon kann aktuell aber als völlig gesichert und unbestritten gelten.

Die nachfolgenden Informationen fokussieren vor allem auf grundsätzliche Informationen zur Reichskrone, beschreiben das Erscheinungsbild, die einzelnen Teile und Komponenten in Text und Bild und geben Erläuterungen für eine allgemein interessierte Öffentlichkeit, die auf den Forschungsstand zwar zurückgreifen, ihn aber nicht in seiner gesamten Bandbreite darstellen und vertreten. Der Erfolg des Projektes zur Reichskrone wird nicht zuletzt daran zu messen sein, wie viele Korrekturen und Ergänzungen bei diesen Überblickstexten möglich und nötig sein werden.

Form & Gestalt

Zu Form und Gestalt der Reichskrone gibt es keine Parallelen unter den heute erhaltenen Kronen des Mittelalters. Der Typus der Plattenkrone muss jedoch grundsätzlich bekannt gewesen sein, wie die Darstellung einer ähnlichen Plattenkrone auf einer römischen Marienikone des 8. Jahrhunderts als frühes Beispiel belegt.

Im überlieferten Zustand setzt sich die Reichskrone, die eine Gesamthöhe von 24,4 cm aufweist, aus drei Teilen zusammen, die zu verschiedenen Zeiten entstanden.

Acht große Platten bilden den Kronreif, wobei einander Stein- und Bildplatten abwechseln. Leere Halterungen an den Innenseiten bzw. Unterkanten einiger Platten verweisen auf heute verlorene Dekorteile. Die Tüllen an den Innenseiten der Stirn- und Nackenplatte wurden wohl schon im 11. Jahrhundert für die Verankerung des erhaltenen Hochbügels wiederverwendet. Auch beim Stirnkreuz handelt es sich um eine nachträgliche Zutat.

Zur Datierung der einzelnen Teile der Krone gibt es in der Forschung aktuell stark divergierende Meinungen. Am häufigsten wird nach wie vor eine Entstehung der Plattenkrone in der Zeit vor 980 n. Chr. vertreten, der unter Kaiser Heinrich II. (reg. 1002–1024) das Kreuz und unter Kaiser Konrad II. (reg. 1024–1039) der heutige Bügel hinzugefügt worden sei. 

Die acht großen Platten sind über Scharniere mit eingeschobenen Stiften verbunden. Der Reif war also ursprünglich leicht auseinanderzunehmen, als Konstruktion zugleich aber auch relativ instabil. Erst zwei, zu einem unbekannten Zeitpunkt im Inneren eingenietete Eisenbänder stabilisierten die Gesamtform dauerhaft. 

Die Höhe der rundbogigen Platten liegt zwischen 11,9 cm und 14,9 cm. Sie variiert damit ebenso wie der Dekor.

Die Hauptplatten über Stirn, Nacken und Schläfen sind ausschließlich mit Edelsteinen und Perlen besetzt. Die niedrigeren Platten dazwischen tragen emaillierte Darstellungen in der sog. Zellenschmelztechnik. In den heute leeren Tüllen saßen ehemals Schmuckaufsätze aus Edelsteinen oder Perlen. An den Ösen am unteren Rand der Schläfenplatten hingen sicherlich Zierbänder oder -ketten. 

Die Konzeption der Platten am Kronreif verfolgte ganz offenkundig das Ziel, die Leuchtkraft des kostbaren Edelsteinbesatzes zu erhöhen. Dafür wurden die Grundflächen durchbrochen gearbeitet und die Steine und Perlen in aufwändig konstruierten Hochfassungen über diesen Öffnungen platziert.

Der abnehmbare Bügel weist eine Länge von 23,1 cm auf. Er steckt mittels dornenartiger, leicht beweglicher Halterungen in Tüllen an den Innenseiten von Stirn- und Nackenplatte. Ursprünglich dürfte er auch zur Stabilisierung des beweglichen Kronreifs beigetragen haben.

Sein markantes Erscheinungsbild prägen acht Bögen bzw. Lappen, denen nicht nur eine Rahmung, sondern auch eine Inschrift aus kleinen Perlen aufgelegt ist. Sie verläuft über beide Seiten des Bügels und lautet: „CHVONRADVS DEI GRATIA / ROMANORV[M] IMPERATOR AVG[VSTVS]“ („Konrad von Gottes Gnaden / erhabener Kaiser der Römer“).

Meist wird diese Nennung mit Kaiser Konrad II. (reg. 1024–1039) in Verbindung gebracht, in jüngerer Zeit aber auch auf Konrad III. (reg. 1138–1152) bezogen, der allerdings nie zum Kaiser gekrönt wurde. 

Die Zierelemente und die einfachen Kastenfassungen der Edelsteine unterscheiden sich hier deutlich von jenen am Kronreif. Daraus und aus der Art der Montage lässt sich ableiten, dass der Bügel zu einer anderen Zeit entstand als der Kronreif. Wann und unter welchen Umständen es zum Bruch und der Reparatur in der Mitte des Bügels kam, ist unbekannt. 

Die Stirnplatte überragt ein 9,9 cm hohes Kreuz, dessen Vorderseite ebenfalls komplett mit Edelsteinen und Perlen belegt ist. Die Grundplatte ist hier aber nicht durchbrochen, und auch die Fassungen und Zierelemente zeigen gegenüber den Platten des Kronreifs Unterschiede. Die Rückseite trägt das gravierte Bild des gekreuzigten Christus, wie es sich im Früh- und Hochmittelalter noch relativ selten findet. Im frühen und hohen Mittelalter stand die Idee, den Sieg und Triumph Christi am Kreuz zu zeigen, im Vordergrund, was der kostbare Schmuck mit Edelsteinen und Perlen – so wie ihn die Vorderseite des Stirnkreuzes zeigt – zum Ausdruck bringen sollte. 

Der Stil des Christusbildes auf der Rückseite kann mit verschiedenen Goldschmiedearbeiten der Zeit um 1020 in Verbindung gebracht werden. Dieses Kreuz wurde dem Kronreif erst nachträglich hinzugefügt und dabei erstaunlich behelfsmäßig montiert. Der Zapfen des Kreuzes steckt hinter dem oberen herzförmigen Saphir und wird dort mittels einer Kralle fixiert, die zuvor aus der Fassung für den Edelstein herausgeschnitten und an der Tülle angelötet worden war. 

Im Inneren des Kronreifs sitzt ein Birett aus rotem Samt aus dem 17. oder 18. Jahrhundert. Nicht nur eine Zeichnung Albrecht Dürers von der Reichskrone, sondern auch sein Idealbild Kaiser Karls des Großen aus der Zeit um 1510 belegen jedoch, dass es auch schon davor solche Hauben gegeben haben muss. 

Sie dienten sicherlich vor allem als Stütze und Auflage für die mit einem Durch­messer (in der Quer­achse) von 22,3 cm relativ große und mit ca. 3,5 kg Gewicht auch schwere Krone auf dem Kopf des Trägers während der Krönungsfeierlichkeiten oder sonstiger Anlässe, bei denen die Krone zum Einsatz kam.

Für die frühe Neuzeit ist überliefert, dass es vor den Krönungen Anproben gab, um den mittelalterlichen Ornat so weit als möglich der Statur des gewählten Herrschers anzupassen. Dabei überprüfte man wohl auch den Sitz der Krone über der Samthaube, die sich mittels eingenähter kleiner Polster anpassen ließ. Einige solcher Pölsterchen finden sich noch heute in der erhaltenen Haube.

Material & Technik

Das Gesamtgewicht der Reichskrone beträgt in ihrem heutigen Zustand 3465 Gramm. Sämtliche Metallteile bestehen aus hochkarätigem Gold. Lediglich die innen nachträglich eingenieteten Bänder zur Stabilisierung des Kronreifs sind aus Eisen. Die acht Platten sind mit insgesamt 116 Edelsteinen, vor allem Saphiren, Smaragden, Spinellen und Amethysten besetzt, die nach Farbe, Form und Größe sorgfältig ausgewählt und positioniert wurden.

Die Zahl der Perlen beläuft sich auf ca. 200. Teile des Besatzes gingen im Lauf der Geschichte verloren. In Einzelfällen wurden sie ersetzt, wie das Beispiel des wohl 1764 montierten achteckigen Granats auf der Nackenplatte zeigt.

Eine Besonderheit stellen die ausgemeißelten Durchbrüche der Grundplatten dar, über denen die Edelsteine und Perlen in ihren Hochfassungen sitzen. Die Grundflächen füllen kleinteilige Ornamente aus Filigrandraht und Kugelpyramiden. 

Die Bildplatten wurden zunächst separat emailliert und danach mittels umlaufender Blech­streifen an ihrem Platz fixiert. Für die Schwärzung der gravierten Darstellung des Gekreuzigten auf der Rückseite des Stirn­kreuzes wurde die sog. Niello­technik verwendet. Nur am Bügel finden sich die auf dünne Gold­drähte bzw. Seiden­fäden aufgefädelten kleinen Perlen für die Inschrift und die Rahmung.

Der hohe Anspruch, den die Krone hinsichtlich ihrer Materialität und Konzeption insgesamt zu erkennen gibt, bestätigt sich auch in vielen Details der Zierelemente. Zu diesen zählen nicht nur die Perldrahtranken und Goldblechröhrchen mit kleinen Goldkügelchen, sog. Granalien, die die Flächen zwischen den Edelsteinen und Perlen füllen, sondern auch deren Fassungen, die auf den Platten des Kronreifs besonders aufwändig konstruiert sind.

Aus Formelementen, wie Perldrahtringen, kleinen Zylindern und freitragenden Granalien wurden feingliedrige mehrstöckige Hochfassungen gebaut, die die einzelnen Steine und Perlen beinahe schwerelos erscheinen lassen und deren Wirkung im Licht steigern.

 Einzelnen Motiven, wie den freitragenden Granalien, kommt dabei in der Diskussion um die Datierung eine wichtige Rolle zu, da sie nur selten auf erhaltenen Goldschmiedearbeiten des 10. und 11. Jahrhunderts zu finden sind.

Die Fassungen auf dem Stirnkreuz und dem Bügel zeigen demgegenüber deutliche Unterschiede. Die eher seltene Form der dreifingrigen Krallen, die am Kronreif die großen Steine in ihren Fassungen halten, tritt z. B. zwar auch am Stirnkreuz in Erscheinung, unterscheidet sich dort im Aufbau jedoch grundlegend.

Im Laufe ihrer langen Geschichte gingen nicht nur einzelne Dekorteile der Krone verloren. Ebenso zeigen sich Schäden, die auf die Nutzung und Handhabung zurückzuführen sind, und damit verbundene Reparaturmaßnahmen, wie etwa Fixierungen einzelner Dekorelemente mit Hilfe von Drähten. Die Goldbleche der Grundplatten zeigen zum Teil starke Verformungen, die noch vor der Stabilisierung des Kronreifs durch die beiden Eisenbänder entstanden sein könnten. Zum Bruch der rechten Schläfenplatte kam es hingegen wohl erst nach deren Anbringung, da die Bruchstelle genau oberhalb der Vernietung des Eisenbandes auf der Platte verläuft.

Repariert wurde der Schaden an der Innenseite mit Hilfe eines bogenförmigen, am Eisenband verankerten Goldblechs. Die verschiedenen Reparaturen stammen sicher aus unterschiedlichen Zeitphasen, die sich bislang aber noch nicht genauer bestimmen lassen.

Ein Bruch zeigt sich auch in der Mitte des Kronbügels. Dieser wurde durch die Montage auf einen vermutlich neuen Bügelträger repariert. Neun Laschen halten diesen Bügel. In Folge des Bruchs und seiner Reparatur verkürzte sich der Bügel ein wenig, da sich dieser an der Bruchstelle zusammenschob und damit den Winkel veränderte.

Inhalt & Symbolik

 

»Jedes Element, jedes scheinbar nur schmückende Detail ist von einem tiefen Sinn erfüllt, in dem sich die Idee vom göttlich legitimierten Kaisertum ausdrückt«

Helmut Trnek 

Die außergewöhnliche Form der Krone und der reiche Besatz aus Edelsteinen und Perlen werden ebenso wie die Darstellungen der Bildplatten seit langem auch auf ihren symbolischen und herrschafts­theologischen Gehalt hin untersucht.

So fügt sich der Kronreif aus acht Platten zusammen, weil die Achtzahl im Mittelalter als kaiserliche Zahl und als Zeichen der Vollkommenheit galt.

Die Edelsteine und Perlen auf den vier größeren Hauptplatten über Stirn, Nacken und Schläfen verweisen gleichnishaft auf die ideale Vorstellung vom Himmlischen Jerusalem. Die Zwölfzahl der großen Steine auf Stirn- und Nackenplatte steht symbolisch für die zwölf Stämme Israels bzw. die zwölf Apostel, als deren dreizehnter sich der Kaiser selbst sehen konnte. 

Die drei Könige und Propheten des Alten Testaments auf den Bildplatten stellen Verkörperungen von Tugenden dar, die ein christlicher Herrscher in seiner Person vereinen sollte. Die vierte Platte zeigt den thronenden Christus, als dessen Stellvertreter auf Erden sich der König oder Kaiser mit dieser Krone auf dem Haupt präsentierte. 

Die vier Bildplatten zeigen Könige und Propheten des Alten Testaments sowie eine Darstellung Christi als Weltenherrscher. Die alttestamentarischen Figuren werden durch Inschriften bezeichnet und halten zusätzlich Spruchbänder mit Bibelzitaten:

König David: 
HONOR REGIS IVDICIVM DILIGIT 
(Die Ehre des Königs liebt das gerechte Urteil)
König Salomon: 
TIME DOMINVM ET RECEDE A MALO
(Fürchte Gott und meide das Böse)
König Ezechias mit dem Propheten Jesaias: 
ECCE ADICIAM SVPER DIES TVOS XV ANNOS 
(Siehe, ich füge deinen Tagen 15 Jahre hinzu).

David, der König Israels und Prophet, steht für die Tugend der Gerechtigkeit, sein Sohn und Nachfolger Salomon für Weisheit, der todkranke Ezechias für das Vertrauen in die göttliche Gnade.
Christus selbst ist in Gestalt des thronenden Weltenherrschers dargestellt, der von zwei Cherubim flankiert wird. Die ihm beigegebene Inschrift P[ER] ME REGES REGNANT (Durch mich herrschen die Könige) verweist auf das Verständnis, dass der Träger dieser Krone von Gott selbst in seine Würde eingesetzt wurde.

An Stirn- und Nackenplatte sind jeweils zwölf Edelsteine durch ihre Größe und farbliche Anordnung besonders hervorgehoben. Schon der Brustschild des alttestamentarischen Hohepriesters, des Kohen, war mit zwölf Schmucksteinen besetzt. Symbolische Bezüge sieht die Forschung ebenso zu den Edelsteinen der Mauer des Himmlischen Jerusalems, zu den zwölf Stämmen Israels und zu den zwölf Aposteln. Die Anzahl der Steine auf der Krone sollte den priesterlich-sakralen Charakter des Herrscheramtes unterstreichen und den Träger als König und Priester zu erkennen geben, der als Stellvertreter Christi auf Erden regiert. 

Mittelalterliche Schriftquellen sprechen von einem besonderen Stein auf der Krone des Reiches, der als der ‚Waise’ bezeichnet wurde. Ob es sich dabei um eine literarische Fiktion handelte oder ob dieser Stein tatsächlich existierte, ist umstritten. Wenn es ihn gab, so muss er seinen Platz an der Stelle des herzförmigen Saphirs an der Stirnplatte gehabt haben. Es ist deutlich zu erkennen, dass die Fassung dort für einen Stein anderer Form und Größe konzipiert ist, als sie der Saphir zeigt.

Geschichte &
Über­lieferung

Der besondere Stellenwert der Reichskrone als des prägnantesten Symbols der Würde und Legitimation des Königs und Kaisers des Heiligen Römischen Reiches (Deutscher Nation) entwickelte und etablierte sich erst über Jahrhunderte hinweg. 1246 scheint sie erstmals in einem Inventar der „keyserlichen Zeichen“ auf. Kaiser Karl IV. (1316–1378) förderte ihre Verehrung als Krone Karls des Großen und damit als Reliquie.

Mit den Herrschern wechselten im Mittelalter auch immer wieder die Verwahrorte des Reichsschatzes, zu dem die Krone gehörte. Ab 1424 befand sich dieser Bestand in der freien Reichsstadt Nürnberg, wo er ebenfalls als Reliquienschatz verehrt wurde. In Nürnberg malte Albrecht Dürer um 1511/13 ein Idealbild Karls des Großen, der als Gründer des Reiches mit „seiner“ Krone auf dem Haupt gezeigt ist. Hier wird sie erstmals detailgetreu dargestellt.

1792 fand die letzte Krönung eines römisch-deutschen Kaisers statt. Vier Jahre später wurde der gesamte Reichsschatz vor der Bedrohung durch die französischen Revolutionstruppen in Sicherheit gebracht. In weiterer Folge gelangte er nach Wien an den Hof des regierenden Kaisers Franz II. (1768–1835). Hier verblieben die Krone und alle anderen Teile auch nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches im Jahr 1806. Seit 1827 werden sie im Rahmen der Kaiserlichen Schatzkammer museal präsentiert.

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